Straftaten im Darknet/Cybercrime: AG Köln stellt das Stafverfahren ein

Unserem Mandanten wurde vorgeworfen, als Trader auf dem Forum www.crimenetwork.co diverse Straftaten im Darknet begangen zu haben. In der Anklage konzentrierte sich der Vorwurf auf Datenhehlerei und Ausspähen von Daten.

Zum Hintergrund von Straftaten im Darknet:

Das Underground-Economy Forum „crimenetwork.co“ war nach Einschätzung der Strafverfolgungsbehörde im Bereich cybercrime eines der bedeutendsten Foren im deutschsprachigen Raum für Begehung von sog. cybercrime-Straftaten. Unter dem Begriff der Underground-Economy verstehen die Strafverfolger Webseiten und Boards, die als Umschlagplätze dem Handel mit illegalen Gütern, insbesondere mit Betäubungsmitteln, Waffen, Dokumenten- und Währungsfälschungen, Botnetzen und als virtuelle Verabredungsorte für die Begehung von Straftaten im Darknet im Bereich Cybercrime und in der realen Welt dienen.

Cybercrime: über crimenetwork.co

Crimenetwork.co ist bereit die 3. Nachfolgeversion des etablierten Underground-Forums, welches zuvor unter crimenetwork.biz lief. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden diente es ca. 31.000 Mitgliedern zur Verabredung und Begehung von Straftaten.

Bei solchen Darknet-Foren handelt es sich um Webserver-Anwendungen. Die meisten dieser Produkte basieren auf einer oder mehrerer modular aufgebauter Datenbanken zur Speicherung der Kommunikationsinhalte und dienen deren Visualisierung, z. B. der Mitgliederdaten, von Diskussionsbeiträgen und privaten Nachrichten. Damit liegt allen Inhalten einer solchen Plattform grundsätzlich eine (SQL-) Datenbank zugrunde. Wenn die Ermittlungsbehörden in den Besitz einer solchen Datenbank kommen, lassen sich die Inhalte des Forums reproduzieren. Bei crimenetwork.co ist diese dem LKA Brandenburg gelungen.

Ermittlungsverfahren wegen Straftaten im Darknet

Für die Mitglieder und User von crimenetwork.co, aber auch für alle aufgeflogenen Underground-Foren hat dies das Risiko der Identifizierung und sodann der Einleitung von Ermittlungsverfahren zur Folgen.

Die Identifizierung kann durch die Registrierungsdaten (User-Id, E-Mailadressen, Nickname) sowie durch die Postings oder privater Nachrichten innerhalb des Forums erfolgen. Die Ermittler werten den Forendatenbestand auf enthaltene IP-Adressen aus und ordnen diese dann den jeweiligen Usern zu. Durch Anfrage bei den entsprechenden Providern über die jeweiligen Anschlussregistrierungen erfolgen dann erste Identifzierungen. So lief es auch im Fall unseres Mandanten.

Vorladung oder Durchsuchung bei Bestellung im Darknet

Je nach Beweissituation und schwere des Deliktes müssen die Beschuldigten mit einer polizeilichen Vorladung oder auch Durchsuchung ihrer Wohn- und Geschäftsräume rechnen. In dem Fall unseres Mandanten erfolgte eine Wohnungsdurchsuchung. Für uns Strafverteidiger bieten Wohnungsdurchsuchungen regelmäßig potenzielle Verteidigungsmöglichkeiten, die auch zu so genannten Beweisverwertungsverboten führen können. Wichtig ist daher die unverzügliche Beauftragung eines Anwalts für Cybercrime-Delikte, in der Regel also einem Fachanwalt für Strafrecht.

Keine Aussage zur Sache

Sowohl im Fall einer Vorladung, als auch im Fall einer Durchsuchung sollten Sie sich unter keinen Umständen zum Sachverhalt äußern. Die wichtigsten Regeln und Verhaltenstipps im Fall einer Durchsuchung oder Vorladung finden Sie hier.

Nach unserer Erfahrung bieten Fälle, in denen es um Bestellungen von illegalen Gütern im Internet geht, gute Möglichkeiten für die Verteidigung durch Verteidigererklärungen die Verfahren zur Einstellung zu bringen.

Auch im Fall unseres Mandanten vor dem Amtsgericht Köln ging unsere Strategie auf. Wir hatten in einem umfangreichen Verteidigerschriftsatz bereits im Ermittlungsverfahren Stellung genommen. Die Staatsanwaltschaft Köln (ZAC) hatte dennoch Anklage erhoben. In der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Köln hat unser Mandant sich auf unser Anraten nicht zu den Vorwürfen geäußert. Nach Erörterung der Rechtslage zwischen dem Gericht, der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung stimmte die Staatsanwaltschaft der Einstellung schließlich zu.